The Openstream #77 – September/Oktober 2026

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  • Sichtbarkeit ganzheitlich messen, ohne teure SEO-Suite
  • Die neuen Amazons – das Duopol ist aufgebrochen
  • Gehört Apple die Zukunft der KI, ohne dass jemand darüber spricht?
  • Consumer Agents: Was KI-Assistenten mehr können müssen als nützlich sein
  • Zahlungsanbieter für Schweizer Onlineshops 2026 (Unabhängiger Vergleich)
  • Faktencheck leicht gemacht mit dem Social Media Video Fact Checker
  • Open Source oder Closed Source: Wie KI die Wahl zwischen WooCommerce und Shopify verändert
  • Zwischen Überwachung und Selbstschutz: Digitale Privatsphäre in Europa und der Schweiz
  • Zürcher Meetup Termine:

Liebe Leserinnen und Leser

Sichtbarkeit im Netz lässt sich nicht mehr nur an Google-Rankings ablesen. Der Beitrag Sichtbarkeit ganzheitlich messen, ohne teure SEO-Suite beschreibt, warum klassische SEO-Suiten zwar nützlich bleiben, aber für viele kleinere Unternehmen zu teuer, zu stark auf grosse Märkte zugeschnitten und zu eng auf Suchmaschinenpositionen fokussiert sind.

Unser Ansatz verbindet deshalb klassische Suche, KI-Suche, Social Media und Newsletter in einem eigenen Visibility Dashboard. Statt Grauzonen-Scraping und hohen Monatskosten reichen offizielle Schnittstellen, ein überschaubarer Monatsreport und ein Werkzeug, das frei auf GitHub verfügbar ist.

Diese Newsletter-Ausgabe nimmt diesen Blick auf Sichtbarkeit als Ausgangspunkt und ordnet die weiteren Beiträge zu Plattformen, KI-Assistenten, Datenschutz, Zahlungsanbietern und Faktenchecks entsprechend ein.

Herzliche Grüsse
Nick & Co.

P.S. Zürcher Meetup Termine:

Sichtbarkeit ganzheitlich messen, ohne teure SEO-Suite

Visibility Dashboard

Sichtbarkeit im Netz misst man traditionell mit einer SEO-Suite wie Sistrix, Semrush oder Ahrefs. Diese Werkzeuge sind gut, aber sie kosten oft über hundert Franken im Monat, sind auf den US- und den deutschen Grossmarkt zugeschnitten und messen vor allem die Welt von gestern: Positionen bei Google und Bing.

Ein wachsender Teil der Suche findet aber gar nicht mehr in einer Ergebnisliste statt, sondern in den Antworten von ChatGPT, Perplexity oder Google. Ich habe deshalb unser SEO Suite Abo gekündigt und ein eigenes Werkzeug gebaut, das klassische Suche, KI-Suche, Social Media und Newsletter zusammenführt, pro Monatsreport rund einen Franken an API-Kosten verursacht und ohne Grauzonen-Scraper auskommt. Es ist frei auf GitHub verfügbar, der komplette Juni-Report steht am Ende dieses Artikels, samt Download als PDF.

Die neuen Amazons – das Duopol ist aufgebrochen

Die neuen Amazons

Obwohl mein letzter Besuch an der K5 in Berlin schon etwas zurück liegt, verfolge ich die Konferenz weiter aus der Distanz. Ende Juni 2026 hat Jochen Krisch dort seinen jährlichen Überblick «State of Online Retail» gehalten, in diesem Jahr unter dem Motto «Die neuen Amazons».

Krisch hat die K5 Future Retail Conference 2011 initiiert und gibt als Herausgeber des Branchenblogs Exciting Commerce seit Jahren den Auftakt-Überblick zur Lage im globalen Onlinehandel. Seine Kernbeobachtung 2026: Das lange stabile Duopol aus Amazon und den grossen chinesischen Plattformen ist aufgebrochen. Dieser Artikel fasst den Vortrag zusammen und ordnet ihn aus Schweizer Sicht ein.

Gehört Apple die Zukunft der KI, ohne dass jemand darüber spricht?

Apple Mac Studio

Substack-Autor Jonathan Edwards hat letzte Woche eine steile These veröffentlicht, die meine Neugier geweckt hat: Apple sei längst die wichtigste KI-Firma und kaum jemand rede darüber. Das Argument dahinter ist ernster, als der Ton vermuten lässt.

Das Argument lautet: Die KI-Inferenz, also die eigentliche Nutzung von Modellen, wandert gerade von den Rechenzentren auf speicherstarke Geräte, die man selbst besitzt. Wir haben die Zahlen des Beitrags nachgeprüft, sie halten weitgehend stand. Dieser Artikel ordnet die These ein, benennt ihre Schwachstellen und beschreibt, was sie konkret für uns bedeutet, die wir selbst täglich mit KI-Werkzeugen arbeiten.

Consumer Agents: Was KI-Assistenten mehr können müssen als nützlich sein

Berlin Mauerpark

Ende Juni 2026 hat Jochen Krisch, Herausgeber des Branchenblogs Exciting Commerce, auf der K5 Konferenz in Berlin nicht nur seinen jährlichen Überblick zum Onlinehandel gehalten, sondern einen zweiten Vortrag mit dem Titel «The Power of Consumer Agents».

Der Blickwinkel ist ungewohnt. Der Onlinehandel diskutiert KI-Agenten fast immer aus Händlersicht, also als Kanal, über den Produkte verkauft werden. Krisch dreht die Perspektive um und fragt, was ein KI-Agent aus reiner Kundensicht eigentlich leisten soll. Er präsentiert dabei keine fertigen Antworten, sondern Denkansätze aus einer Reihe von Think Tanks. Dieser Artikel fasst den Vortrag zusammen und ordnet ihn ein.

Zahlungsanbieter für Schweizer Onlineshops 2026 (Unabhängiger Vergleich)

Online Payment

Die Suche nach dem passenden Zahlungsanbieter für einen Onlineshop kann eine echte Herausforderung sein, entscheidet aber mit über die Marge. Dieser Artikel ordnet zwölf Zahlungsanbieter (englisch Payment Service Provider) für Schweizer Onlineshops ein. Neun davon sind Schweizer oder stark auf die Schweiz ausgerichtete Anbieter: Datatrans von Planet, PayPal, Payrexx, PostFinance, Stripe, wallee, Worldline, saldiaPay und zahls.ch. Dazu kommen drei international tätige Anbieter, die für Schweizer Shops ebenfalls infrage kommen: Adyen, Mollie und Nexi, das frühere Concardis.

Den Vergleich der Schweizer Zahlungsanbieter, den der Thuner Anbieter Payrexx seit Jahren veröffentlicht, haben wir in der Vergangenheit teils als Gastbeitrag übernommen. Für 2026 haben wir uns anders entschieden und ordnen die Anbieter unabhängig ein, statt die Zahlen zu übernehmen. Der Payrexx-Vergleich betrachtet ausschliesslich Schweizer und stark auf die Schweiz ausgerichtete Anbieter, die drei international tätigen Anbieter haben wir bewusst ergänzt. Gerade bei diesen lohnt ein zweiter Blick auf die Abwicklung in Schweizer Franken, auf den wir weiter unten eingehen. Wir erklären ausserdem die Begriffe dahinter und zeigen, wie man einen solchen Vergleich liest, ohne auf die beworbene Prozentzahl hereinzufallen.

Faktencheck leicht gemacht mit dem Social Media Video Fact Checker

Athen Symbol der Wahrheit

Wir kennen es alle. Ein kurzes Video behauptet in fünfzehn Sekunden etwas über eine neue Studie, einen Politiker oder ein Gesundheitsthema. Im Moment des Scrollens kann ich kaum beurteilen, ob das stimmt. Und oft glauben wir am schnellsten, was bereits in unser Weltbild passt.

Da ich aber in der Regel kein Freund alternativer Fakten bin, entwickle ich seit November 2024 einen Video Fact Checker, bei welchem man einfach einen Video-Link bzw. eine URL von TikTok, YouTube, Instagram, X oder Vimeo reinkopiert. Das Tool hört den gesprochenen Ton in wenigen Sekunden ab und liefert einen strukturierten Faktencheck der Aussagen – soweit möglich. Der Gedanke dahinter ist so alt wie die westliche Kultur selbst. Athen gilt als Symbol für die rationale, philosophische Suche nach Wahrheit, weil dort die westliche Tradition entstand, Wahrheit durch kritisches Denken und offenen Dialog zu erforschen.

Hauptbeitragsbild von Patrick Robert Doyle.

Open Source oder Closed Source: Wie KI die Wahl zwischen WooCommerce und Shopify verändert

Aufstieg E-Commerce

Wer einen Onlineshop aufbaut oder wechselt, landet schnell bei Shopify. Die Marke ist bekannt, die Plattform gilt als sichere Wahl und für viele steht die Entscheidung damit fest, bevor sie getroffen wurde. Die Alternative heisst WooCommerce und wird meist auf ein Gegensatzpaar verkürzt: Open Source gegen Closed Source. In der Praxis hängt die Wahl an Wartungsaufwand, Datenhoheit und daran, wie stark sich das eigene Geschäft verändern wird.

Seit 2026 kommt ein Kriterium dazu: Wie gut lässt sich eine Plattform von KI-Werkzeugen erschliessen? Im Webinar «Ecommerce today: Open Source vs Closed Source» vom 26. August 2026 diskutierten das Shani Banerjee, Brian Coords und Shubert Koong von WooCommerce sowie Ian Misner, Mitgründer des Extension-Anbieters Kestrel. Die Veranstaltung richtete sich an Agenturen. Wir prüfen die Argumente nach und ordnen sie aus Händlersicht ein.

Zwischen Überwachung und Selbstschutz: Digitale Privatsphäre in Europa und der Schweiz

Big Data

Ein TikTok-Video macht derzeit die Runde mit einer einfachen These: Anonym im Internet zu sein sei praktisch unmöglich. Hinter dem Video steht Matt Moyer, ein auf Personenschäden spezialisierter Anwalt aus Chicago mit Abschluss der Notre Dame Law School.

Bemerkenswert ist, wie präzise sich Moyer als Jurist in diesen sehr technischen IT-Themen bewegt. Er erklärt Funkzellen, Geräte-IDs und Verhaltensbiometrie mit einer Genauigkeit, die man eher von Fachleuten aus der IT-Sicherheit erwartet.

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