Schweizer KI-Anbieter im Vergleich

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Vergleich von Schweizer KI-Anbietern

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Immer mehr Unternehmen suchen nach KI-Services, die vollständig in der Schweiz betrieben werden, um Datenschutz und Datenhoheit zu gewährleisten. Im Folgenden vergleichen wir wichtige Anbieter entlang von drei Kategorien:

  1. datensouveräne Inference-APIs (verwaltete Modellbereitstellungen über APIs)
  2. Schweizer GPU-Cloud zum Selber-Hosten
  3. die grossen Hyperscaler mit Serverstandort Schweiz.

Wir betrachten Funktionsumfang, unterstützte KI-Modelle (insb. LLMs), Preisstruktur, Datenschutzstandards und Verfügbarkeit. Abschliessend ordnen wir das offene Schweizer Sprachmodell Apertus ein, das inzwischen bei mehreren dieser Anbieter läuft.

Alle Anbieter auf einen Blick

Die folgende Ampel-Tabelle fasst alle Anbieter über die drei Kategorien zusammen. Sie ist bewusst grob und dient der schnellen Orientierung. Die Bewertung im Detail steht in den jeweiligen Abschnitten. Grün steht für vorteilhaft, gelb für mittel, rot für nachteilig, ein weisser Punkt bedeutet «trifft nicht zu» oder «auf Anfrage». Da API-Anbieter (fertige Token-APIs), GPU-Cloud (Selbst-Hosting) und Hyperscaler unterschiedlich abrechnen, ist die Preis-Ampel innerhalb der jeweiligen Kategorie zu lesen.

AnbieterSitzRechenzentrumTypPreisDatenhoheitZertifizierungErneuerbarOpenAI-APIApertus
InfomaniakGenf, ZürichGenfAPI🟢 günstig🟢 100 % CH🟡 ISO 27001🟢 100 %🟢 ja🔴 nein
SwisscomCHCH (mehrere)API🔴 hoch🟢 100 % CH🟢 ISO, FINMA🟢 100 %🟢 ja🟢 ja
PHOENIQSFreienbachArlesheimAPI🟡 mittel🟢 100 % CH🟢 ISO, Confid.🟢 100 %🟢 ja🟢 ja
AIVITYThunZürichAPI / GPU🟢 günstig🟢 100 % CH🟢 ISO, FINMA🟢 100 %🟡 Ollama🟡 selbst
ExoscaleLausanneGenf, ZürichAPI / GPU🟡 mittel🟢 CH-Zone🟢 ISO🟡 ~90 %🟢 ja🟡 Partner
Safe Swiss CloudZürichZürichAPI🟢 günstig🟢 100 % CH🟢 ISO, FINMA⚪ k.A.🟢 ja🟢 ja
cloudscale.chZürichRümlang, LupfigGPU-Cloud🟢 günstig🟢 100 % CH🟡 CH-Hosting🟢 100 %⚪ selbst🟡 selbst
NineZürichZürichGPU-Cloud🟡 mittel🟢 100 % CH🟢 ISO, FINMA🟢 100 %⚪ selbst🟡 selbst
HiKube / HidoraLancyGenf, Gland, LuzernGPU-Cloud🟡 mittel🟢 100 % CH🟡 revDSG, FINMA⚪ k.A.⚪ selbst🟡 selbst
SwissGPUZürichZürichGPU-Cloud🟢 günstig🟢 100 % CH⚪ keine⚪ k.A.⚪ selbst🟡 selbst
AWSUS-KonzernZürichHyperscaler🟡 mittel🔴 US CLOUD Act🟢 breit🟡 Ziele🟡 Bedrock🔴 nein
AzureUS-KonzernZürich, GenfHyperscaler🟡 mittel🔴 US CLOUD Act🟢 breit, FINMA🟡 Ziele🟢 Azure OpenAI🔴 nein
Google CloudUS-KonzernZürichHyperscaler🟢 günstig🔴 US CLOUD Act🟢 breit🟡 Ziele🟡 Vertex AI🔴 nein

Preis: 🟢 günstig, 🟡 mittel, 🔴 hoch, ⚪ auf Anfrage, jeweils innerhalb der Kategorie. Datenhoheit: 🟢 vollständig in der Schweiz ohne fremde Jurisdiktion, 🟡 Schweizer Region mit offenen Punkten, 🔴 dem US CLOUD Act unterliegend. Zertifizierung: 🟢 ISO 27001 und weitere (teils FINMA), 🟡 teilweise oder nur DSGVO, ⚪ keine öffentlich genannt. Erneuerbar (Strom des Rechenzentrums): 🟢 100 Prozent erneuerbar, 🟡 überwiegend oder als Ziel, ⚪ keine öffentliche Angabe. OpenAI-API: 🟢 kompatible Managed-API, 🟡 über Umweg oder Teilprodukt, ⚪ reine Infrastruktur zum Selbst-Hosten. Apertus: 🟢 direkt über den Anbieter, 🟡 selbst gehostet oder als Partner, 🔴 nicht im Angebot. Typ: API = fertige Inference-API, GPU = GPU-Cloud zum Selbst-Hosten. Stand August 2026, Angaben ohne Gewähr.

Datensouveräne Inference-APIs aus der Schweiz

Diese Anbieter stellen fertige, verwaltete Modell-Endpunkte über eine API bereit. Man muss keine eigene GPU-Infrastruktur betreiben, sondern spricht die Modelle direkt an, meist über eine OpenAI-kompatible Schnittstelle. Datenhaltung und Betrieb bleiben in der Schweiz.

Infomaniak – AI Tools Plattform

Infomaniak ist ein unabhängiger Schweizer Cloud-Anbieter mit Sitz in Genf und Zürich, dessen Rechenzentren im Raum Genf stehen (D2 in Satigny, D3 in Carouge, das 2025 eröffnete D4 in Plan-les-Ouates). Die KI-Plattform «AI Tools» wurde 2024 eingeführt und basiert vollständig auf Open-Source-Technologien.

KI-Modelle und Funktionalität

Infomaniak bietet Zugriff auf Text- und Codegenerierungsmodelle wie Llama, Mistral und Qwen. Für Sprachverarbeitung kommt Whisper zum Einsatz, für Bilderstellung Photomaker V2. Alle Modelle lassen sich über REST-APIs ansprechen.

Preisstruktur

  • Text
    • LLM (Input): zwischen 0.10 und 1.00 CHF / 1 Mio. Tokens
    • LLM (Output): zwischen 0.30 und 3.00 CHF / 1 Mio. Tokens
    • Embeddings: zwischen kostenlos und 0.07 CHF / 1 Mio. Tokens
  • Audio (Whisper): CHF 0.006 pro Minute
  • Bilder (Diffusion): CHF 0.30 pro GPU-Minute
  • Einstiegsguthaben: 1 Million Tokens kostenlos

Datenschutz und Betrieb

Die gesamte Verarbeitung findet auf ISO 27001-zertifizierter Infrastruktur in der Schweiz statt. Daten werden nicht gespeichert. Infomaniak unterliegt nicht dem US CLOUD Act und nutzt ausschliesslich erneuerbare Energie.

Verfügbarkeit

Alle Dienste sind produktiv verfügbar. Die Plattform richtet sich an KMU, sowie Entwicklerinnen und Entwickler, die schnelle, flexible Integration mit garantierter Datenhoheit suchen.

Swisscom – Swiss AI Platform

Swisscom bietet eine skalierbare, modulare Enterprise KI-Plattform in der Schweiz an, betrieben auf NVIDIA SuperPOD-Systemen. Seit Frühjahr 2025 ist das GenAI Studio öffentlich verfügbar.

Swiss-AI-Plattform-Swisscom

Modelle und API-Endpunkte

Angeboten werden Llama-Modelle in unterschiedlichen Grössen (8B, 70B), Whisper sowie ein Embedding-Modell. Die APIs sind OpenAI-kompatibel.

ModellParameterPreis/Monat (CHF)Inkl. Tokens / NutzungZusatzkosten pro Mio Tokens
Llama 3.18B1’00050 Mio Tokens0.38 (Input) / 0.44 (Output)
Llama 3.370B2’00050 Mio Tokens3.32 / 3.84
Whisper7501’000 Audio-Stunden0.32 CHF / Std.
Embedding (1B)1B0.9050 Mio0.05 CHF

Zielgruppe und Besonderheiten

Die Plattform richtet sich an Unternehmen mit regulierten oder hochvolumigen Anwendungsfällen. Beratung, Hosting und Modellbetrieb erfolgen aus einer Hand.

Datenschutz

Alle Services laufen vollständig in der Schweiz, ohne Datenweitergabe. Swisscom erfüllt das Schweizer Datenschutzgesetz (revDSG) sowie FINMA-, ISO- und DSGVO-Anforderungen.

PHOENIQS – Souveräne KI-Cloud aus der Schweiz

Die früher als «Phoenix Systems» bzw. «Phoenix AI Cloud» bekannte Plattform tritt seit 2025 unter der Marke PHOENIQS (Phoenix Technologies AG) auf. Der Anbieter mit Hauptsitz in Freienbach SZ, einer Niederlassung im Technopark Zürich und einem Rechenzentrum im Innovationscampus uptownBasel in Arlesheim BL positioniert sich als durchgängig schweizerische, souveräne Cloud- und KI-Infrastruktur, die vollständig in der Schweiz entwickelt, gehostet und betrieben wird und keine Daten ins Ausland abfliessen lässt.

Im April 2025 eröffnete das Unternehmen zusammen mit Red Hat und IBM ein AI Innovation Center bei Basel, und im Mai 2026 wurde bekannt, dass Sunrise seinen Geschäftskunden KI-Lösungen auf Basis von PHOENIQS anbietet.

PHOENIQS Keyvisual: Logo mit dem Slogan Control your data. Control your future. über Schweizer Bergwolken

Infrastruktur und Leistung

Die Umgebung basiert auf Open-Source-Infrastruktur mit Red Hat OpenShift und OpenShift AI sowie auf Confidential Computing mit hardwarebasierter Verschlüsselung. Angeboten werden GPU- und CPU-Computing, virtuelle Maschinen, Virtual Private Clouds, Kubernetes sowie Objekt- und Blockspeicher, ergänzt um einen KI-Supercomputer auf dem Campus uptownBasel. PHOENIQS garantiert an den Standorten Zürich und Basel eine Verfügbarkeit von 99,99 Prozent und verarbeitet sensible Daten Ende-zu-Ende verschlüsselt.

Modelle und Angebot

  • Chat und Text: das Schweizer Modell Apertus 70B, DeepSeek V3.2, GPT-OSS 120B, GLM, Granite und Mistral
  • Multimodal: Llama 4 Maverick und Scout, Gemma 3 sowie Qwen3 VL
  • Reasoning: Qwen3 und QwQ 32B
  • Sprache, OCR und Embeddings: Whisper Large v3, DeepSeek OCR sowie BGE-M3- und Granite-Embeddings

Der Zugang läuft über die Konsole unter console.phoeniqs.com. Eine öffentliche Preisliste nennt PHOENIQS nicht; der Einstieg erfolgt projektbasiert mit einem monatlichen Startguthaben, konkrete Token-Preise weist der Anbieter in der Dokumentation beziehungsweise auf Anfrage aus.

Datenschutz

PHOENIQS wirbt mit 100 Prozent Schweizer Datenhaltung, Schweizer Jurisdiktion sowie DSG- und DSGVO-Konformität und richtet sich an regulierte Branchen wie Bildung und Forschung, Finanzdienstleistungen, Gesundheitswesen und Life Sciences, Medien sowie Behörden. Ausserhalb der Schweiz baut das Unternehmen mit der Tochter PHOENIQS Hesperia im spanischen Jerez einen ersten weiteren Standort auf.

AIVITY – GPU-Server und KI-Infrastruktur

AIVITY ist die Produktmarke der Intronet GmbH aus Thun und betreibt eine Schweizer GPU-Plattform für selbst gehostete LLMs in einem Tier-IV-Rechenzentrum in Zürich. Statt Token-Abrechnung gibt es Pauschalpakete mit fixem Monatspreis. Openstream gehörte zu den Beta-Testern.

Aivity Swiss AI Hosting

Angebot und Modelle

Geboten werden GPU-Server mit vorinstalliertem Ollama, ein AI Web Assistant (Beta) und ein interner KI-Chat für Mitarbeitende. Über Ollama lassen sich Llama, Qwen, DeepSeek und über 100 weitere Open-Source-Modelle sofort betreiben. Hardware: NVIDIA RTX 4500 / RTX 6000 Blackwell mit bis zu 96 GB VRAM.

Preise

  • Fünf Pakete von CHF 390/Monat (Micro) bis CHF 1’490/Monat (Enterprise, dedizierte GPU)
  • Keine Setup-Gebühren, 30 Tage kostenlos testen
  • Mindestlaufzeit 1 Monat (Enterprise: 6 Monate)
  • Modellrechnung bei konservativer 30 %-Auslastung: ab ca. CHF 0.49 pro Mio Tokens für Llama 3.1 8B, ca. CHF 4–6 pro Mio Tokens für Llama 3.3 70B

Datenschutz

Tier-IV-Rechenzentrum in Zürich, ISO 27001 und ISO 22301 zertifiziert, ISMS nach ISO und BS, FINMA-RS 08/7 (Outsourcing Banken). Kein US CLOUD Act. Betrieb CO₂-neutral, myclimate®-zertifiziert, 100 % erneuerbare Energie. Details und vollständige Modellrechnung im Beitrag zu AIVITY.

Exoscale – Dedicated und Managed Inference

Exoscale ist ein Schweizer Cloud-Anbieter der Akenes SA mit Sitz in Lausanne und gehört zur A1 Digital. Der Anbieter betreibt zwei Schweizer Zonen, in Genf (CH-GVA-2) und Zürich (CH-DK-2), beide in Equinix-Rechenzentren, und hat sein Angebot 2025 um KI-Inference erweitert. Weitere Exoscale-Zonen liegen in Frankfurt, München, Wien, Sofia und Zagreb.

Exoscale Sovereign European Cloud Modern AI

Modelle und API

Der Dienst «Dedicated Inference» stellt beliebige Modelle von Hugging Face (etwa GPT-OSS 20B/120B oder Qwen3-Coder) über eine OpenAI-kompatible REST-API bereit; das Modell wird für den Kunden dediziert bereitgestellt. Ergänzend ist ein «Managed Inference» angekündigt: fertige, nutzungsbasierte API-Endpunkte für einen kuratierten Katalog offener Modelle, wahlweise in der EU- oder in der Schweiz-Region. Die Infrastruktur läuft auf NVIDIA-GPUs (unter anderem A5000, A40, A30 und RTX Pro 6000).

Preise und Verfügbarkeit

Dedicated Inference ist verfügbar und wird nach GPU-Laufzeit abgerechnet; der Stundenpreis richtet sich nach der gewählten GPU-Klasse (etwa A5000, GPU3 oder RTX Pro 6000) und wird auf der Preisseite ausgewiesen. Ein tokenbasierter Tarif existiert dafür nicht, weshalb sich die Kosten nicht direkt mit den Token-Preisen der reinen API-Anbieter vergleichen lassen. Das vollständig verwaltete Managed Inference mit Token-Abrechnung war zum Zeitpunkt der Recherche als «coming soon» angekündigt, die Modelle sind für EU- und Schweiz-Standorte geplant. Exoscale ist zudem einer der offiziellen Inference-Partner für das Schweizer Modell Apertus.

Datenschutz

Mit der Schweizer Zone bleibt die Datenhaltung im Land. Exoscale positioniert sich als souveräne europäische Alternative und richtet sich an Entwicklerinnen und Entwickler sowie Unternehmen, die volle Kontrolle über Modell und Datenstandort wollen.

Safe Swiss Cloud – Private AI API

Die Safe Swiss Cloud AG mit Sitz in Zürich bietet mit der «Private AI API» eine OpenAI-kompatible REST-Schnittstelle auf über 25 privat gehostete Open-Source-Modelle. Alle Modelle laufen ausschliesslich in Schweizer Rechenzentren unter Schweizer Kontrolle.

Swiss Safe Cloud Private AI

Modelle und API

Der Katalog umfasst unter anderem DeepSeek (inklusive Reasoning- und OCR-Varianten), Llama 4 Maverick, Mistral v0.3, das Schweizer Modell Apertus 70B, Qwen3, Gemma, Granite sowie Whisper für Sprache-zu-Text. Neben der geteilten API sind dedizierte, mandantengetrennte GPU-Cluster buchbar. Als Infrastruktur stehen zusätzlich GPU-Server mit NVIDIA H100 (80 GB) und L4 (24 GB) zur monatlichen Miete bereit.

Preise

Safe Swiss Cloud veröffentlicht als einer der wenigen Anbieter eine vollständige Token-Preisliste pro Modell. Abgerechnet wird nutzungsbasiert, mit einem monatlichen Mindestbetrag von CHF 95 (bzw. EUR 100 für Kunden ausserhalb der Schweiz). Ein Auszug (Preise pro Million Tokens):

ModellInput (CHF/Mio)Output (CHF/Mio)
Apertus 70B0.7122.553
DeepSeek V3.20.7082.124
Llama 4 Maverick0.3101.239
Mistral 7B v0.30.1770.177
Qwen3 8B0.0310.122

Dedizierte, mandantengetrennte GPU-Cluster sind teurer und werden auf Anfrage bepreist; einzelne GPU-Instanzen wie die H100 lassen sich separat monatlich buchen.

Datenschutz

Safe Swiss Cloud ist nach ISO 27001, 27017 und 27018 zertifiziert und wirbt mit revDSG-, FINMA- und DSGVO-Konformität. Der Betrieb erfolgt vollständig in der Schweiz, die Positionierung ist souverän schweizerisch und europäisch.

Neben den Plattformbetreibern gibt es spezialisierte Dienstleister, die verwaltete Inference auf Schweizer Infrastruktur aufsetzen. So betreibt die VSHN AG mit vLLM.ch eine verwaltete vLLM-Inference (OpenAI-kompatibel) für beliebige offene Modelle auf Schweizer Kubernetes-Clustern, gehostet bei Partnern wie cloudscale.ch oder Exoscale. Diese Partner führen direkt zur zweiten Kategorie: den Schweizer GPU-Cloud-Anbietern, auf denen man Modelle selbst hostet.

Schweizer GPU-Cloud zum Selbst-Hosten

Diese Anbieter liefern keine fertige Modell-API, sondern die rohe GPU-Infrastruktur (Infrastructure as a Service). Man mietet GPU-Server oder virtuelle Maschinen und betreibt darauf eigene Modelle, etwa über Ollama oder vLLM. Das gibt maximale Kontrolle über Modellwahl und Datenhaltung, erfordert aber eigenen Betriebsaufwand. Alle vier Anbieter halten die Daten in der Schweiz.

cloudscale.ch

cloudscale.ch mit Sitz in Zürich betreibt zwei georedundante Rechenzentren in Rümlang (ZH) und Lupfig (AG) und bietet GPU-Server mit NVIDIA RTX PRO 6000 Max-Q (96 GB VRAM pro Karte, ein bis vier GPUs pro Server, als ganze PCI-Geräte durchgereicht) an, die minutengenau ab weniger als CHF 2.20 pro Stunde abgerechnet werden. Andere Karten wie L40S, A100 oder H100 bietet cloudscale bewusst nicht an, da die RTX PRO 6000 Max-Q ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis liefere. Die Hardware ist explizit für selbst gehostete LLMs gedacht, etwa Ollama oder DeepSeek-R1 70B. Es handelt sich um reine Infrastruktur; die API dient nur der Bereitstellung der GPU-VMs, nicht der Modellabfrage. Verwaltete Inference darauf bieten Dritte wie VSHN an.

Cloudscale Training + Inferenz

Was bedeutet der Stundenpreis konkret? Rechnet man den GPU-Preis auf die verarbeiteten Tokens um, hängt alles vom Modell und von der Auslastung ab. Ein Beispiel auf einer einzelnen RTX PRO 6000 mit vLLM, umgerechnet auf CHF pro Million Tokens:

ModellDurchsatz (Annahme)bei Volllastbei 30 % Auslastung
Llama 3.1 8B~3’000 Tokens/sca. CHF 0.20ca. CHF 0.68
Llama 3.3 70B (FP8)~1’200 Tokens/sca. CHF 0.51ca. CHF 1.70

Die Zahlen sind eine überschlägige Modellrechnung bei CHF 2.20 pro GPU-Stunde und gebündelter Inferenz. Bei durchgehender Volllast ist Self-Hosting konkurrenzfähig zu den Token-APIs (Safe Swiss Cloud verlangt für Apertus 70B etwa CHF 0.71 pro Million Input-Tokens). Sobald die GPU aber nur teilweise ausgelastet ist, laufen die realen Kosten pro Token schnell nach oben. Self-Hosting lohnt sich also vor allem bei hoher, gleichmässiger Last, während sich eine fertige API bei schwankendem oder geringem Volumen meist rechnet. Wer die GPU pauschal mietet, zahlt bei durchgehendem Betrieb rund CHF 1’600 pro Monat, bei acht Stunden an 22 Arbeitstagen etwa CHF 390.

Nine

Nine aus Zürich, gegründet 2002, bietet dedizierte Bare-Metal-GPU-Infrastruktur für KI, mit Datenhaltung in der Schweiz und ohne US-Jurisdiktion. Verfügbar sind NVIDIA H100 NVL (für LLM-Training), L40s (Inferenz und produktiver LLM-Betrieb), RTX 4500 ADA (Fine-Tuning und RAG) sowie A100 mit 40 GB. Nine ist seit 2013 nach ISO 27001 zertifiziert, zudem ISO 9001 und FINMA-RS 2008/7. Kunden betreiben ihre eigenen KI-Workloads auf der Infrastruktur, eine verwaltete Modell-API gehört nicht zum Angebot. Preislich startet ein dedizierter Server (64 Kerne, 64 GB RAM) ab rund CHF 705 pro Monat; die GPU-Karte kommt als monatliches Add-on dazu: RTX 4500 ADA ab CHF 399, L40s ab CHF 999, RTX Pro 6000 Blackwell ab CHF 1’449 und H100 NVL ab CHF 3’999.

Nine GPU Server Zürich

HiKube / Hidora

HiKube ist die souveräne GPU-as-a-Service-Plattform der Hidora mit Hauptsitz in Lancy (GE) und Rechenzentren in Genf, Gland und Luzern. Angeboten werden mehrere NVIDIA-GPU-Familien von der L4 (24 GB) über L40S (48 GB, Ada Lovelace), A100 (80 GB, Ampere) und RTX 6000 Pro (96 GB, Blackwell) bis zu H100 (80 GB) und H200 (141 GB, Hopper), nutzbar per VM mit PCI-Passthrough oder über Kubernetes. Die Abrechnung ist monatlich und transparent ausgewiesen: L40S ab CHF 760, A100-80 ab CHF 1’495, RTX 6000 Pro ab CHF 1’550, H100 ab CHF 1’999 und H200 ab CHF 2’499 pro Monat. Modelle, Datensätze und Checkpoints bleiben in der Schweiz (revDSG-, DSGVO- und FINMA-reguliert). Vorgehostete Modelle oder eine OpenAI-kompatible Inference-API gibt es nicht, nur eine Bereitstellungs-API.

Hikube GPU as a Service

SwissGPU

SwissGPU der LongLink SAGL aus Zürich vermietet vollständige Bare-Metal-GPU-Server (physische Maschinen, keine VMs), die komplett in der Schweiz gehostet werden. Die Palette reicht von NVIDIA RTX 4080 bis RTX 6000 PRO, abgerechnet minutengenau in CHF, mit Bezahlung per TWINT oder Stripe. Die Stundenpreise sind offen ausgewiesen und günstig: RTX 4080 CHF 0.20, RTX 5080 und RTX 3090 je CHF 0.25, RTX 4090 CHF 0.40, RTX 5090 CHF 0.50, RTX 6000 ADA CHF 1.00 und RTX 6000 PRO CHF 1.50 pro Stunde, jeweils zuzüglich CHF 0.30 pro kWh Strom. Am Ende der Miete werden Daten und Betriebssystem dauerhaft gelöscht. SwissGPU nennt keine ISO- oder FINMA-Zertifizierungen und setzt teils auf Consumer-Hardware; die Souveränitätszusagen sind selbst deklariert.

SwissGPU

Hyperscaler mit Serverstandort Schweiz

Auch AWS, Azure und Google Cloud bieten KI-Services mit Serverstandort Schweiz an. Die Datenhaltung erfolgt in der Region Zürich (bei Azure auch Genf). Anders als die Schweizer Anbieter betreiben die Hyperscaler dort aber keine eigenen Rechenzentren, sondern mieten sich in bestehende Anlagen (etwa von Equinix) ein und unterliegen als US-Konzerne dem CLOUD Act.

AWS (eu-central-2 Zürich)

  • Services: SageMaker, Bedrock (Claude, Amazon Nova, Stable Diffusion)
  • Infrastruktur: G6 Instanzen mit NVIDIA L4 GPUs
  • Token-Preise (Bedrock, USD/Mio): Claude Sonnet ca. $3 Input / $15 Output, Claude Haiku ca. $1 / $5, Amazon Nova Micro ab $0.035 Input. Dazu Instanzkosten je nach Deployment.
  • Datenschutz: regional in Zürich, jedoch US CLOUD Act unterliegend
AWS Generative AI Stack

Azure (Switzerland North & West)

  • Standorte: zwei Azure-Regionen in der Schweiz, Switzerland North in Zürich und Switzerland West in Genf (insgesamt vier Rechenzentren)
  • Services: Azure ML und GPU-VMs laufen lokal in Zürich und Genf. Bei Azure OpenAI verarbeitet nur der «Standard»-Deployment-Typ die Daten schweizlokal (GPT-4o war so in Switzerland North verfügbar); «Global Standard» und «Data Zone Standard» halten die Verarbeitung nicht in der Schweiz. Neuere GPT-Modelle sind in der Schweiz-Region bislang nicht verfügbar.
  • Achtung Roadmap: Das lokale GPT-4o-Standard-Deployment wurde per März 2026 abgekündigt, einen schweizlokalen Nachfolger hat Microsoft nicht verbindlich zugesagt. Wer strikte CH-Datenresidenz für GPT-Modelle braucht, muss die aktuelle Modellverfügbarkeit in der Schweiz-Region laufend prüfen.
  • Token-Preise (Azure OpenAI, USD/Mio): GPT-4o ca. $2.50 Input / $10 Output; regionale bzw. Data-Zone-Deployments liegen rund 5 bis 10 Prozent höher als die globalen Tarife.
  • Datenschutz: FINMA-konform, Lockbox, Microsoft EU-Datenprinzipien
Microsoft Azure AI Services

Google Cloud (europe-west6 Zürich)

  • Services: Vertex AI, AutoML, Generative AI Studio (Gemini-Modelle)
  • L4 GPUs verfügbar, keine TPUs lokal
  • Token-Preise (Vertex AI, USD/Mio): Gemini Flash ca. $1.50 Input / $7.50 Output, Gemini Flash-Lite ab $0.10 Input / $0.40 Output
  • Datenschutz: DSGVO-konform, Assured Workloads möglich

Apertus – das offene Schweizer Sprachmodell

Ein roter Faden zieht sich durch fast alle oben genannten Anbieter: Apertus. Das offene Sprachmodell wurde von der Swiss AI Initiative (ETH Zürich und EPFL) auf dem Supercomputer «Alps» am Nationalen Hochleistungsrechenzentrum CSCS in Lugano trainiert, am 2. September 2025 veröffentlicht und steht unter Apache-2.0-Lizenz. Es ist vollständig transparent, auf über 1500 Sprachen ausgelegt und darf für Forschung, Bildung und kommerzielle Anwendungen genutzt werden. Wie es dazu kam, beschreiben wir ausführlich im Beitrag Swiss AI: ETH und EPFL entwickeln offenes Sprachmodell. Inzwischen bieten mehrere der hier verglichenen Schweizer Anbieter, darunter PHOENIQS und Safe Swiss Cloud, Apertus über ihre APIs an.

Am 24. Juli 2026 folgte mit Apertus 1.5 ein deutliches Update in den Grössen 8B und 70B. Die neue Version versteht neben Text auch Bilder und Audio, ist also multimodal, und bringt spürbar besseres Reasoning, ein zuschaltbares «Thinking»-Verhalten für anspruchsvolle Aufgaben sowie ein zuverlässigeres Instruction-Following und bessere Unterstützung für Tool-Use mit. Die Standard-Kontextlänge stieg auf 262’144 Token, das Vierfache der ersten Version. Genau dieses Modell, «swiss-ai/Apertus-v1.5-70B-thinking», läuft im unten gezeigten öffentlichen Zugang unter dem Namen «Switzerland 1.5».

Öffentlicher Zugang über Public AI

Wer Apertus ohne eigenen Anbieter ausprobieren möchte, kann die kostenlose Public AI Inference Utility nutzen. Public AI ist der offizielle internationale Deployer von Apertus und betrieb im September 2025 über 115’000 GPU-Stunden auf mehr als 20 Clustern in fünf Ländern. Der Chat ist unter chat.publicai.co öffentlich erreichbar, für Entwicklerinnen und Entwickler gibt es zusätzlich ein API-Portal unter platform.publicai.co. In der Schweiz stellt unter anderem Swisscom den Zugang bereit, als Inference-Partner sind CSCS und Exoscale beteiligt.

Nach dem Login lässt sich das aktuelle Modell «Switzerland 1.5» (swiss-ai/Apertus-v1.5-70B-thinking) direkt im Browser nutzen. Für Forschung und Lehre betreibt das CSCS zudem eine eigene, OpenAI- und Anthropic-kompatible Inference-API, die allerdings der Schweizer Wissenschaftsgemeinschaft vorbehalten ist und nicht kommerziell offensteht.

Fazit

Die Schweizer Landschaft für datensouveräne KI ist deutlich gewachsen. Infomaniak, Swisscom, PHOENIQS, AIVITY, Exoscale und Safe Swiss Cloud bieten datensouveräne Inference-APIs direkt aus der Schweiz. Wer maximale Kontrolle will, mietet reine GPU-Cloud bei cloudscale.ch, Nine, HiKube oder SwissGPU und hostet die Modelle selbst. Die Hyperscaler ermöglichen Zugang zu leistungsstarken Modellen mit lokalem Hosting, aber weniger Kontrolle. Und mit Apertus steht ein offenes, in der Schweiz trainiertes Sprachmodell bereit, das bei mehreren dieser Anbieter läuft.

Datensouveräne Inference-APIs im Vergleich

AnbieterModelle / APIsPreis pro Mio Input TokensDatenhoheit / CH HostingZielgruppe
InfomaniakLlama, Mistral, WhisperCHF 0.10 – 1.00100 % CH, keine SpeicherungKMU, Entwickler
SwisscomLlama, Whisperab CHF 0.38 1100 % CH, revDSG & FINMA-konformEnterprise, regulierte Branchen
PHOENIQSApertus, DeepSeek, Llama 4, Whisper (OpenAI-kompatibel)ab CHF 0.50 2CH-Rechenzentren, ConfidentialForschung, Life Sciences, Finanzen
AIVITYLlama, Qwen, DeepSeek (Ollama, 100+ Modelle)ab CHF 0.49 3100 % CH (Zürich), FINMA-RS 08/7KMU, regulierte Branchen, Self-Hosted LLMs
ExoscaleBeliebige HF-Modelle, GPT-OSS, Qwen3 (OpenAI-kompatibel)GPU-Laufzeit; Token-Tarif «coming soon»CH-Zone Genf (CH-GVA-2)Entwickler, Unternehmen
Safe Swiss Cloud25+ Modelle: DeepSeek, Llama 4, Apertus, Mistral (OpenAI-kompatibel)CHF 0.03 – 0.71 4100 % CH, ISO 27001/27017/27018, FINMARegulierte Branchen, KMU
AWSClaude, Amazon Nova (Bedrock)Nova ab ~$0.035; Claude ~$3 5CH-Zone, US CLOUD ActSkaliert, mit globalem Modellzugriff
AzureGPT-4o, Azure OpenAIGPT-4o ~$2.50 5EU-Regionen (nicht lokal CH)M365-Ökosystem, Behörden
Google CloudGemini (Vertex AI)Flash-Lite ab ~$0.10 5Zürich, EU-konformTech, Data Science
  • Grundpreis 1000 CHF/Monat 1
  • geschätzt, abhängig von Instanz und API-Nutzung 2
  • Modellrechnung Openstream: Paket Pro (CHF 690/Mt) mit Llama 3.1 8B bei 30 % Auslastung 3
  • Öffentliche Token-Preisliste, Spanne über Modelle (Qwen3 8B bis Apertus 70B), zzgl. Mindestbetrag CHF 95/Mt 4
  • Hyperscaler-Preise in USD pro Million Input-Tokens, je nach Modell und Region; regionale EU-Deployments liegen über den globalen Tarifen 5

Ein Hinweis zur Vergleichbarkeit: Die Preise sind nur bedingt direkt gegenüberzustellen. Infomaniak, PHOENIQS und Safe Swiss Cloud rechnen tokenbasiert ab, Swisscom kombiniert eine Monatspauschale mit Inklusiv-Tokens, AIVITY setzt auf reine Pauschalpakete (der Token-Wert ist dort eine Auslastungs-Modellrechnung), und Exoscale rechnet die dedizierte Inference nach GPU-Laufzeit ab. Wo direkt vergleichbar, liegt Safe Swiss Cloud für Apertus 70B mit CHF 0.712 pro Million Input-Tokens im Bereich der übrigen souveränen Anbieter.

Schweizer GPU-Cloud im Vergleich

AnbieterStandortGPUsPreis (öffentlich)Zertifizierung
cloudscale.chZürichRTX PRO 6000 Max-Q (96 GB)ab < CHF 2.20 / Std.CH-Hosting
SwissGPUZürichRTX 4080 bis RTX 6000 PROCHF 0.20 – 1.50 / Std. (+ Strom)keine (selbst deklariert)
HiKube / HidoraGenf, Gland, LuzernL40S, A100, RTX 6000 Pro, H100, H200CHF 760 – 2’499 / MtrevDSG / DSGVO / FINMA
NineZürichRTX 4500, L40s, RTX 6000 Pro, H100 NVLServer ab CHF 705 + GPU CHF 399 – 3’999 / MtISO 27001/9001, FINMA 2008/7

Die Wahl hängt von Budget, Datenschutzbedürfnis, Sprachmodellanforderungen und Integrationstiefe ab. Wer schnell starten will, greift zu einer fertigen Inference-API; wer volle Kontrolle über Modell und Betrieb braucht, mietet GPU-Cloud und hostet selbst.

Credits, Quellen und Links

  • Beitragsbild von Ricardo Resende
  • Die dargestellten Informationen basieren auf den offiziellen Angaben der Anbieter und Pressemitteilungen von Infomaniak, Swisscom, PHOENIQS, AIVITY, Exoscale, Safe Swiss Cloud, cloudscale.ch, Nine, Hidora, SwissGPU, Public AI, CSCS, AWS, Microsoft und Google Cloud
  • Apertus wurde von der Swiss AI Initiative (ETH Zürich, EPFL) am CSCS Lugano entwickelt; öffentlicher Zugang über Public AI
  • Die Swiss AI Platform von Swisscom als Motor für KI-Innovationen in der Schweiz

Kommentare

Ein Kommentar zu «Schweizer KI-Anbieter im Vergleich»

  1. […] vollständigen Marktüberblick haben wir im Beitrag Schweizer KI-Anbieter im Vergleich […]

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