Am AI Summit Barcelona eröffneten heute morgen Albert Tort Pugibet, Staatssekretär für Telekommunikation und digitale Transformation der Generalitat de Catalunya und Maria Galindo Garcia-Delgado, Staatssekretärin für Digitalpolitik der katalanischen Regierung, den Anlass mit einer Zahl: eine Milliarde Euro für künstliche Intelligenz bis 2030. Angekündigt war die Session als «A €1 Billion Bet on AI».
Die katalanische Regierung hat ihre Strategie in 8 Säulen und 88 Massnahmen gegliedert. Das Dokument ist öffentlich einsehbar, auf Katalanisch, Spanisch und Englisch.
5 Treiber für den öffentlichen Sektor
Tort nannte 5 Punkte, an denen der Staat aus seiner Sicht ansetzen muss.
- Governance. KI sei längst keine reine Technologiefrage mehr, sondern eine geopolitische: technologische Souveränität, strategische Autonomie. Europa müsse seine Fähigkeiten in Daten, Cloud, Hochleistungsrechnen, Quantentechnologie, Halbleitern und KI ausbauen. Katalonien hat dafür einen eigenen Rahmen verabschiedet.
- Digitale Wirtschaft. Katalonien wolle ein Ort sein, an dem KI-Unternehmen entstehen, bestehende Firmen sich wandeln und internationale Anbieter investieren.
- Infrastruktur und Talent. Die Regierung hat ein KI-Schulungsprogramm für über 250’000 Verwaltungsangestellte aufgesetzt. Dazu kommen Rechenkapazitäten, etwa die AI Factory am Barcelona Supercomputing Center und eine Gigafactory, die Katalonien gemeinsam mit der spanischen Regierung und im europäischen Rahmen vorantreibt. Tort fasste den Punkt in einem Satz zusammen: «People are infrastructure too.»
- Positive Nutzung. KI solle helfen, besser zu werden, ohne kritisches Denken und kollektive Intelligenz zu verdrängen.
- Experimentierräume. Innovation heisse Experiment und dafür brauche es kontrollierte Umgebungen, in denen sich Risiken verstehen lassen, bevor Lösungen skaliert werden. Tort formulierte das als Reihenfolge: erst Vertrauen aufbauen, dann stärker innovieren.
Das KMU-Problem
Galindo verwies auf eine Zahl, die für die Umsetzung entscheidend ist: 98 Prozent der katalanischen Unternehmen sind kleine und mittlere Betriebe. Ihre Frage lautete, wie KI von den Grosskonzernen zu den kleineren Firmen gelangt, damit diese ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern können.
An diesem Punkt entscheiden sich solche Strategien. Rechenzentren und Supercomputer lassen sich mit einem Milliardenbudget bauen. Ob ein Handwerksbetrieb oder eine Kanzlei mit dreissig Mitarbeitenden davon profitiert, hängt an verfügbaren Werkzeugen, an Wissen und an Zeit. Die Keynote nannte den Punkt als Ziel, nicht als gelöstes Problem.
Für die Schweiz gilt die gleiche Struktur. Der Anteil der KMU an der Unternehmenslandschaft liegt vergleichbar hoch. Wer von hier aus auf europäische Entwicklungen schaut, findet den Massstab weniger in den Infrastrukturzahlen als in dem, was bei den kleinen Betrieben ankommt.
Wettbewerbsfähigkeit und Menschenwürde
Der rote Faden beider Vortragenden war eine Ablehnung: Man müsse sich nicht zwischen wettbewerbsfähiger und menschenzentrierter KI entscheiden. Galindo formulierte es so, dass Wettbewerbsfähigkeit und Menschenwürde nicht miteinander konkurrieren sollen.
In der Keynote war die Formel an konkrete Vorhaben geknüpft: an die 8. Säule zu Ethik, Regulierung und Schutzmechanismen, an die Schulung der Verwaltungsangestellten, an Testumgebungen vor dem Ausrollen. Ob sie trägt, wird sich an der Umsetzung zeigen.
Tort und Galindo betonten beide, dass die Strategie ohne Partnerschaften zwischen öffentlicher Hand, Unternehmen und Forschung nicht funktioniert. Galindos Schlusspunkt galt dem Talent, das die KI und die digitale Wirtschaft in diesem Jahrhundert antreiben werde. Katalonien wolle ein Knotenpunkt sein, der dieses Talent zusammenbringt.
Was bleibt
Die Moderation eröffnete den Summit mit einem Streit, der älter ist als jeder Computer. 1843 übersetzte Ada Lovelace eine französische Abhandlung über Charles Babbages Analytical Engine, eine Maschine, die nie gebaut wurde. Ihre Anmerkungen zur Übersetzung waren länger als der Originaltext und die letzte davon, Note G, enthielt ein Verfahren zur Berechnung der Bernoulli-Zahlen. Darin steht der Satz, den die Moderation zitierte: Die Maschine habe keinerlei Anspruch darauf, etwas selbst hervorzubringen, sie könne ausführen, was immer wir ihr zu tun befehlen.
1950 widmete Alan Turing genau diesem Satz einen eigenen Abschnitt seiner Arbeit «Computing Machinery and Intelligence». Er führte ihn als «Lady Lovelace’s Objection» und hielt ihr entgegen, die verfügbaren Hinweise hätten sie schlicht nicht dazu ermutigt, der Maschine mehr zuzutrauen. In einer Variante des Einwands, eine Maschine könne uns nie überraschen, sah er die eigentliche Herausforderung. Seine Antwort darauf fiel trocken aus: Maschinen überraschten ihn ständig. Den Rest des Aufsatzes verwendete er auf lernende Maschinen und auf diesen Abschnitt folgt der Schlusssatz, den die Moderation zitierte: Man könne nur eine kurze Strecke vorausschauen, sehe dort aber genug, was zu tun sei.
Der Streit taugt als Rahmen für eine Milliardenwette, weil beide Seiten über denselben Zeithorizont stritten, den auch Katalonien beansprucht. Lovelace urteilte über eine Maschine, die es nicht gab, Turing über Maschinen, die es noch nicht gab. Katalonien schaut auf 2030 und damit weiter, als in diesem Feld seriös planbar ist. Der Zeithorizont macht die Ankündigung zugleich überprüfbar. Acht Säulen, 88 Massnahmen und eine öffentlich einsehbare Strategie lassen sich in zwei Jahren daran messen, was davon umgesetzt wurde.

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