Die Schweiz gehört heute zu den digital fortschrittlichsten Zahlungssystemen Europas. Kartenzahlungen, kontaktlose Terminals und Apps wie TWINT haben Bargeld in wenigen Jahren vom dominierenden Zahlungsmittel zu einer Minderheit gedrängt. Rein technisch wäre eine nahezu bargeldlose Gesellschaft problemlos möglich.
Und trotzdem will eine klare Mehrheit der Bevölkerung Bargeld nicht aufgeben. Die Diskussion dreht sich weniger um Bequemlichkeit als um Sicherheit, Redundanz und persönliche Freiheit. Cyberangriffe, Stromausfälle oder Systemfehler haben das Vertrauen in rein digitale Infrastrukturen relativiert – selbst die Europäische Zentralbank empfiehlt mittlerweile eine Bargeldreserve für Notfälle.
Damit entsteht ein spannender Widerspruch: Die Infrastruktur ist bereit für «cashless», aber das gesellschaftliche Bedürfnis nach Unabhängigkeit bleibt bestehen. Die Frage ist also nicht nur technologisch, sondern kulturell – wie viel Abhängigkeit von digitalen Systemen akzeptieren wir?

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