Wenn in der Schweiz über Payment-Infrastruktur gesprochen wird, führt an Worldline kaum ein Weg vorbei. Das Unternehmen ist nicht nur ein europäischer Zahlungsdienstleister mit Milliardenumsatz, sondern auch eng mit dem Schweizer Markt verwoben – unter anderem durch Saferpay sowie die Übernahme und Integration von SIX Payment Services.
Wer in der Schweiz E-Commerce betreibt, ist Worldline in der Regel schon begegnet – direkt oder indirekt. Genau deshalb ist es bemerkenswert, dass Worldline sich nun offensiv im Bereich Agentic Commerce positioniert.
Dieser Artikel versteht sich als grundlegende Einordnung. Er baut auf zwei bereits veröffentlichten Beiträgen im Openstream Blog auf:
Hier geht es einen Schritt weiter: von Protokollen und Visionen hin zu konkreter Infrastruktur.

Inhalt
Was bedeutet Agentic Commerce konkret?
Agentic Commerce beschreibt eine Evolutionsstufe des digitalen Handels, in der autonome KI-Agenten im Auftrag von Konsumenten oder Unternehmen handeln:
Sie suchen Produkte, vergleichen Angebote, prüfen Verfügbarkeit, lösen Zahlungen aus, verwalten Rückerstattungen oder interagieren mit Support-Systemen – teilweise ohne dass jede einzelne Aktion manuell bestätigt wird.
Der entscheidende Punkt ist nicht die Automatisierung an sich. Automatisierung gibt es seit Jahrzehnten. Neu ist:
- Die Schnittstelle ist Sprache.
- Die Entscheidungslogik liegt in Large Language Models.
- Die Interaktion erfolgt über standardisierte Protokolle.
- Zahlungen müssen agentenfähig («agent-ready») sein.
Damit Agentic Commerce funktioniert, braucht es drei Ebenen:
- Semantische Handelsdaten
- Standardisierte Agenten-Protokolle
- Zahlungsinfrastruktur, die von KI-Systemen sicher angesprochen werden kann
Genau hier setzt Worldline an.
MCP als Brücke zwischen LLMs und Payment-APIs
Worldline lanciert einen sogenannten MCP-Server – basierend auf dem Model Context Protocol (MCP).
Technisch betrachtet fungiert dieser Server als Übersetzungsschicht zwischen Large Language Models und bestehenden Payment-APIs.
Statt klassischer API-Integration über Code kann ein KI-Agent sinngemäss formulieren:
- «Erstelle eine Rückerstattung für Transaktion X.»
- «Generiere einen sicheren Zahlungslink für Bestellung Y.»
- «Prüfe den Status dieser Zahlung.»
Der MCP-Server interpretiert die Anfrage und führt die entsprechende Aktion über die Worldline-Infrastruktur aus.

Das ist mehr als ein technisches Detail. Es ist eine strukturelle Anpassung der Payment-Infrastruktur an eine neue Interaktionslogik.
Worldline unterscheidet dabei:
- Commerce MCP Server
- Operations MCP Server
Der erste adressiert kundennahe Prozesse wie Zahlungslinks oder agenteninitiierte Transaktionen. Der zweite zielt auf interne Abläufe wie Refunds, Statusabfragen oder Capture-Prozesse.
Für Schweizer Händler, die mit Saferpay oder Global Collect arbeiten, bedeutet das: Die bestehende Infrastruktur muss nicht ersetzt werden. Sie wird um eine agentenfähige Schicht erweitert.

Von Agentic Payments zu Agentic Commerce
Im Artikel zu Agentic Payments haben wir die Zahlungsdimension isoliert betrachtet.
Agentic Commerce geht weiter. Es betrifft:
- Produktsuche
- Warenkorb-Logik
- Checkout
- After-Sales-Prozesse
- Rückerstattungen
- Abonnements
- B2B-Workflows
Zahlung ist nur ein Bestandteil – allerdings ein sensibler.
Hier schliesst sich der Kreis zum Universal Commerce Protocol (UCP). Während UCP auf standardisierte Handelsinteraktionen abzielt, schafft MCP die technische Anbindung an reale Systeme.
Agentic Commerce ist somit kein einzelnes Produkt, sondern ein Zusammenspiel aus:
- UCP-ähnlichen Interaktionsstandards
- Agentic Payment Protokollen (ACP, AP2 etc.)
- Infrastruktur-Anbietern wie Worldline
Die strategische Bedeutung für den Schweizer Markt
Die Schweiz ist kein Testmarkt für Payment-Experimente, sondern ein regulierter, sicherheitsorientierter Raum.
Worldline betont explizit die Einhaltung europäischer und regulatorischer Anforderungen. Das ist Voraussetzung für eine vertrauenswürdige Implementierung, gerade im Kontext von:
- PSD2 (2. EU-Zahlungsdiensterichtlinie, die den Zahlungsverkehr sicherer, transparenter und wettbewerbsfähiger machen soll)
- Starken Kundenauthentifizierungen
- Datenschutzanforderungen
- Revisionssicheren Buchhaltungsprozessen
muss Agentic Commerce nicht nur funktionieren, sondern überprüfbar sein. Für Schweizer Händler stellen sich somit Fragen wie:
- Ist mein Online Shop bzw. mein Payment Provider darauf vorbereitet?
- Kann ein Agent mit meinem System standardisiert interagieren?
- Sind meine Prozesse maschinenlesbar und sicher ansprechbar?
ConnectAI – Infrastruktur statt Buzzword
Neben dem MCP-Server führt Worldline «ConnectAI» ein – einen dedizierten Bereich im Developer-Portal.
Dort werden Protokolle wie:
- Google Agent Payments Protocol (AP2)
- OpenAI Agentic Commerce Protocol (ACP)
- Universal Commerce Protocol (UCP)
zusammengeführt und dokumentiert.
Das ist kein abgeschlossenes Ökosystem. Es ist ein Hinweis darauf, dass Payment-Anbieter beginnen, sich als Infrastruktur-Partner für Agenten zu verstehen – nicht nur als Transaktionsabwickler.
Warum Agentic Commerce mehr ist als ein Trend
McKinsey prognostiziert bis 2030 ein Handelsvolumen von mehreren Billionen Dollar im Bereich agentenassistierter Transaktionen. Solche Zahlen sind mit Vorsicht zu lesen.
Wichtiger ist die strukturelle Beobachtung:
- LLMs werden zur Schnittstelle für Software.
- Agenten werden zur Handlungseinheit.
- Payment wird zur API-Funktion innerhalb eines Entscheidungsprozesses.
Das verändert die Architektur des Onlinehandels.
Ein Shop, der nicht agentenfähig ist, wird nicht sofort verschwinden.
Aber er wird perspektivisch schwerer auffindbar, schwerer integrierbar, schwerer automatisierbar.
Man kann Agentic Commerce für ein weiteres Buzzword halten, das gerade gehyped wird. Dennoch deutet vieles darauf hin, dass hier eine strukturelle Anpassung der E-Commerce-Infrastruktur stattfindet.
Was Händler jetzt konkret prüfen sollten
Für Betreiber von WooCommerce, Shopify oder Magento Shops bedeutet Agentic Commerce nicht, morgen alles umzubauen.
Sinnvoller sind strukturelle Schritte:
- Saubere, semantisch strukturierte Produktdaten
- Klar dokumentierte API-Zugänge
- Trennung von Geschäftslogik und Präsentationsschicht
- Maschinenlesbare Zahlungs- und Order-Workflows
- Evaluation von Payment-Providern hinsichtlich MCP- oder agentenfähiger Schnittstellen
Wer mit Worldline arbeitet, sollte prüfen, wie MCP-Server und ConnectAI in die eigene Architektur integriert werden können – zumindest experimentell.
Ein Schweizer Vorreiter?
Worldline positioniert sich als europäischer Payment-Anbieter, der Agentic Commerce aktiv vorbereitet. Ob sich daraus ein echter Vorsprung ergibt, hängt von drei Faktoren ab:
- Adoption durch Entwickler
- Integration in bestehende Shop-Systeme
- Regulatorische Klarheit
Für die Schweiz ist relevant: Ein etablierter Anbieter bewegt sich frühzeitig in Richtung agentenfähiger Infrastruktur. Das ist eine strategische Weichenstellung.
Fazit: Agentic Commerce als infrastrukturelle Frage
Agentic Commerce wird nicht durch einzelne KI-Funktionen entschieden, sondern durch Interoperabilität. MCP-Server, UCP, ACP oder AP2 sind Bausteine eines sich formierenden Standardsystems. Worldline liefert mit seinem MCP-Ansatz eine konkrete Umsetzung innerhalb der Payment-Ebene.
Für Händlerinnen und Händler heisst das: Agentic Commerce ist kein Feature. Es ist eine architektonische Entscheidung. Wer heute beginnt, seine Systeme semantisch, API-fähig und agentenbereit zu strukturieren, wird später nicht nachrüsten müssen.
Und gerade im regulierten Schweizer Markt ist es sinnvoll, wenn diese Entwicklung von Anbietern getragen wird, die regulatorische Erfahrung, bestehende Infrastruktur und lokale Verankerung mitbringen.
Worldline könnte hier eine zentrale Rolle spielen. Ob sie diese Rolle langfristig prägt, entscheidet aber nicht nur die Vision, sondern die Implementierung.
Credits
- Beitragsbilder von Tomasz Frankowski und Bernhard Lachenmeier
- Illustration von Rifky Nur Setyadi
- Worldline empowers agentic commerce with new AI capabilities
- Making e-commerce agent-ready with Worldline
- Worldline Model Context Protocol (MCP) Server

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