- Universal Commerce Protocol (UCP) – ein offener Standard für KI-Agenten
- Agentic Payments oder wenn der Checkout verschwindet
- KI-Chatbots im Praxistest · Sind KI-Doomer einfach nur Pessimisten?
- Die Reifeprüfung der künstlichen Intelligenz
- Rückblick Zürcher WordPress Meetups Q1-Q3/2025
- Ankündigung WordPress/WooCommerce Meetup am 16. März 2026
- Personal Branding Monat 9/12 – Nach dem Peak
Liebe Leserinnen und Leser
Spätestens seit OpenAIs Shopping-Vorstoss rund um Instant Checkout ist klar: E-Commerce bekommt einen neuen «Verkaufskanal», der nicht wie ein Kanal wirkt. Keine Produktlisten, keine Filter, kein klassisches Shop-Interface – sondern ein Gespräch. Oder genauer: ein KI-Agent, der in unserem Auftrag Produkte findet, vergleicht, auswählt, bestellt, bezahlt und liefern lässt.
Damit das zuverlässig funktioniert, braucht es aber mehr als nur gute KI-Modelle. Es braucht Standards.
Denn was gerade entsteht, ist nicht einfach «E-Commerce mit Chatbot», sondern eine neue technische Schicht zwischen Konsument und Shop: Agentic Commerce. Und genau hier setzt das Universal Commerce Protocol (UCP) an: ein offener Standard für KI-Agenten, um sich mit beliebigen Händlern zu verbinden und Transaktionen durchzuführen.

Die grosse Frage lautet daher nicht mehr, welche Plattform den besten Checkout bietet – sondern welches Protokoll es schafft, die Komplexität des Handels so zu abstrahieren, dass Agenten wirklich zuverlässig einkaufen können. Warum dieser Standard den nächsten E-Commerce-Zyklus definieren könnte, schauen wir uns im Artikel «Universal Commerce Protocol (UCP) – ein offener Standard für KI-Agenten» an.
- Was ist UCP – und warum kommt es jetzt?
- UCP vs. Agentic Commerce Protocol (ACP): Konkurrenz oder Evolution?
- Das zentrale Designprinzip: Layer statt Monolith
- Discovery & Negotiation: UCP denkt wie das Web
- UCP ist agentisch – aber nicht agent-only
- Embedded Checkout Protocol: UX ohne Redirect
- Payments als «two-sided negotiation»
- UCP & MCP: der unterschätzte strategische Hebel
- Was UCP für Händler, Plattformen und Shop-Systeme bedeutet
- Fazit

Diese Ausgabe des Openstream Newsletters ist wieder sehr KI-lastig, enthält aber auch drei überfällige Berichte vom Zürcher WordPress Meetup im 2025 inklusive Videoaufzeichnungen aller 6 Vorträge:
- Michael Sutter – WordPress-Sicherheit
- Norman Irion – Tschüss Google, Hallo KI
- Cyril Rüegsegger – Warum Geschichten Produkte verkaufen
- Monika Liechti – Individuelle Bilder & Icons mit KI für deine WordPress-Seite
- Martin Steiger – Datenschutzerklärungen und Cookie-Banner
- Frank Mickeler – Cookie-Krieg: So bändigst du die Consent Technik
Das nächste Meetup findet am 16. März 2026 als reines Online Meetup statt und trägt den Titel «Goodbye Plugins: Features für WordPress und WooCommerce mit AI zuverlässig selbst bauen». Der in Basel lebende Referent Matthias Reinholz ist seit 2022 im WooCommerce Team bei Automattic, wo er an Partner-Integrationen arbeitet und die Entwicklung von Plugins für WordPress und WooCommerce verantwortet. Sein Fokus liegt auf skalierbaren und performanten Integrationen und primär auf Erweiterungen der Admin-Funktionen von WordPress.

Er ist überzeugt, dass die Zeiten, in denen man bei WordPress für jedes kleine Extra nach dem passenden Plugin suchen musste, vorbei sind. AI-gestützte Entwicklung eröffnet einen neuen Weg: Features selbst bauen – präzise, wartbar und ohne Kompromisse. Dieser Impulsvortrag zeigt, wie KI-Tools die Entwicklung für WordPress und WooCommerce verändern. Er wird erläutern, welche Workflows heute schon funktionieren, wo die Grenzen liegen und welche Details wichtig sind, um sicher mit Ki-Tools für WordPress zu entwickeln.
Herzliche Grüsse
Nick & Co.
P.S. Anmeldung zum nächsten WordPress/WooCommerce Meetup
Agentic Payments oder wenn der Checkout verschwindet
Das Leben ist zu kurz, um mit einem Zahlungsvorgang zu interagieren – sagte David Kauer im September 2024 auf einem PostFinance-Event in Zürich. Das war damals ein Satz über den Checkout. Über Reibung. Über zu viele Klicks. Über Formulare, die unsere Zeit fressen.
Im Januar 2026 ist derselbe Satz plötzlich viel mehr: eine Beschreibung dessen, was gerade passiert. Denn die Diskussion rund um Payments hat eine neue Richtung bekommen. Nicht mehr nur: Wie wird Bezahlen schneller? Sondern: Wer bezahlt überhaupt?
Wenn KI-Agenten in Zukunft den Onlinehandel durchstreifen – Produkte finden, Alternativen vergleichen, Warenkörbe füllen – dann ist es nur logisch, dass sie irgendwann auch am Ende der Kette stehen: beim Bezahlen.
Agentic Payments sind deshalb keine neue Zahlart. Sie sind eine neue Rollenverteilung.
- Der Online Handel steht vor einem Wechsel der Hauptfigur
- UI wird nicht verschwinden – aber sie verliert ihre Exklusivität
- Das neue Normal: Du gibst nicht mehr eine Zahlung frei – du gibst ein Mandat
- Die Schweiz als Sonderfall: TWINT ist nicht nur Zahlungsmittel – es ist Kultur
- Eine Szene aus der nahen Zukunft
- Was passieren muss, damit ein Agent über TWINT zahlen kann
- Das fehlende Puzzleteil: ein Protokoll für Agenten-Zahlungen
- Und wo passt das Universal Commerce Protocol hinein?
- Der eigentliche Wandel: Payment wird Capability – nicht mehr zwingend UI
- Was das für Schweizer Online Händler bedeutet – schon heute

KI-Chatbots im Praxistest
Was der Kassensturz‑Test wirklich aussagt
Der aktuelle Vergleichstest von KI‑Sprachmodellen, den die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) im Auftrag von SRF Kassensturz durchgeführt hat, hat für Aufmerksamkeit gesorgt – nicht zuletzt, weil ChatGPT in der kostenlosen Version nur im Mittelfeld gelandet ist. Für viele dürfte das überraschend sein. Für andere bestätigt der Test vor allem eine bekannte Erkenntnis: KI‑Assistenten sind nützlich, aber keineswegs gleichwertig – und schon gar nicht unfehlbar.
In diesem Artikel ordne ich den Test ein, ergänze ihn um eigene Erfahrungen aus der Praxis und stelle die Frage, die im SRF‑Beitrag offen bleibt: Was sagt dieser Test wirklich aus – und was nicht?
- Was der Kassensturz‑Test wirklich aussagt
- Einordnung: Warum der Kassensturz-Test Gewicht hat
- Der Test in Kürze
- Die Resultate im Überblick
- Warum ChatGPT nur im Mittelfeld landet
- Halluzinationen – besonders bei Schweiz‑Bezug
- Lumo von Proton: Datenschutz allein reicht nicht
- Claude an der Spitze – warum?
- Die grosse Leerstelle: Wo bleibt Apertus?
- Was wir aus dem Test lernen sollten
- Ein persönliches Fazit

Sind KI-Doomer einfach nur Pessimisten?
Tristan Harris gehört zu den wenigen Stimmen in der Tech-Debatte, die sowohl von innen als auch von aussen argumentieren können. Er hat Informatik in Stanford studiert, war mehrere Jahre bei Google tätig und arbeitete dort unter anderem an Produkten wie Gmail. Seine offizielle Rolle wurde später als «Design Ethicist» beschrieben – ein Titel, der erst entstand, nachdem er intern auf grundlegende Zielkonflikte digitaler Produkte hingewiesen hatte.
Bekannt wurde Harris einer breiteren Öffentlichkeit vor allem durch die Netflix-Dokumentation The Social Dilemma. Dort tritt er nicht als klassischer Kritiker von aussen auf, sondern als ehemaliger Insider, der erklärt, warum die negativen Effekte sozialer Medien kein unbeabsichtigter Nebeneffekt sind, sondern das direkte Resultat klar definierter Optimierungsziele. Plattformen wurden auf maximale Verweildauer, Interaktion und Werbewirkung getrimmt. Dass daraus Polarisierung, Abhängigkeit und psychische Belastungen entstehen, war aus dieser Perspektive nicht überraschend, sondern vorhersehbar.
Die Reifeprüfung der künstlichen Intelligenz
2026 als Wendepunkt: Von KI-Euphorie zu belastbarer Bewertung
Nach Jahren rasanter Expansion, milliardenschwerer Investitionen und nahezu missionarischer KI-Rhetorik zeichnet sich für 2026 ein grundlegender Stimmungswechsel ab. Führende Forscherinnen und Forscher des Stanford Institute for Human-Centered AI (HAI) beschreiben das kommende Jahr nicht als nächsten grossen Durchbruch, sondern als Phase der Ernüchterung, Präzisierung und systematischen Bewertung. Der Fokus verschiebt sich von der Frage, ob KI etwas leisten kann, hin zu deutlich anspruchsvolleren Fragen: Wie gut funktioniert sie tatsächlich? Zu welchem Preis? Für wen entsteht realer Nutzen – und wer trägt die Kosten?
Diese Neubewertung betrifft nahezu alle Anwendungsfelder von KI: von nationaler Technologiepolitik über Wissenschaft und Medizin bis hin zu Recht, Arbeitsmarkt und menschlicher Interaktion mit KI-Systemen.

Recap Q1/2025 WordPress Meetup Zürich
Am Zürcher WordPress Meetup am 10. März 2025 teilte Michael Sutter, WordPress-Frontend-Ingenieur und langjähriger Community-Aktiver, seine Erfahrungen zum Thema WordPress-Sicherheit. Sein Fokus: effektive Prävention statt später Schadensbegrenzung. Michael betonte, dass Prävention viel mehr sei als regelmässige Backups – sie ist eine ganzheitliche Denkweise.
Im zweiten Vortrag des Abends teilte Norman Irion, Unternehmer und Experte für digitale Sichtbarkeit, auf gewohnt humorvolle Weise seine Einschätzung zum Wandel im Online-Marketing. Unter dem Titel «Tschüss Google, Hallo KI» zeigte er auf, wie sich Suchverhalten, Plattformen und Werkzeuge verändern – und was das konkret für kleine und mittlere Unternehmen bedeutet. Sein Fokus lag dabei weniger auf Hype, sondern auf belastbaren Grundlagen, praxisnahen Strategien und der Frage, wie Sichtbarkeit auch im KI-Zeitalter nachhaltig aufgebaut werden kann.
Recap Q2/2025 WordPress Meetup Zürich
Beim WordPress Zürich Meetup am 18. Juni 2025 drehte sich alles um die Frage, wie Inhalte auf Websites nicht nur funktionieren, sondern wirken. In zwei komplementären Vorträgen ging es darum, Botschaften verständlich, emotional und visuell überzeugend zu vermitteln.
Cyril Rüegsegger zeigte, warum Storytelling ein zentrales Werkzeug im Marketing und Produktverkauf ist, während Monika Liechti praxisnah erklärte, wie sich mit KI individuelle Bilder und Icons für WordPress-Seiten erstellen lassen – jenseits austauschbarer Stockfotos.

Recap Q3/2025 Meetup
Datenschutz, Cookie-Banner und das Tracking-Minenfeld
Am Zürcher WordPress Meetup vom 11. September 2025 drehte sich alles um Datenschutz, Cookie-Banner und Consent-Technik.
Während viele Teams derzeit stark auf KI-Tools und schnellere Produktionsprozesse setzen, erinnerte dieser Abend daran, dass die Pflichten rund um Datenschutz und Tracking nicht verschwinden – im Gegenteil: Sie werden laufend relevanter.
In zwei inhaltlich hervorragend aufeinander abgestimmten Talks beleuchteten Martin Steiger (Rechtsanwalt, Datenschutz-Aktivist und Unternehmer) und Frank Mickeler (Tracking/Analytics Consultant) die Frage, wie man in der Schweiz und mit Blick nach Europa rechtlich sauber und technisch korrekt mit Datenschutzerklärung und Consent umgeht.



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